Frankreich Fußball Europameisterschaft 2016

Lens

Lens Austragungsort / Spielort der Fußball Europameisterschaft EM 2016

Lens ist der Name einer nordfranzösischen Kleinstadt mit etwas über 35.000 Einwohnern. Verwaltungstechnisch gehört diese Stadt zum Départemenet Pas-de-Calais, das nach der Meerenge zwischen Frankreich und England, ebenjener „Straße von Calais“ (o. a. „Straße von Dover“), benannt wurde. Darüber hinaus ist das erwähnte Département samt Lens Teil der nördlichsten Region Frankreichs, nämlich der Region Nord-Pas-de-Calais, die im Osten an Belgien angrenzt. Die bis vor wenigen Jahrzehnten vom Steinkohlebergbau geprägte Industriestadt Lens befindet sich inmitten dieser Region, und zwar etwa 200 km nördlich von der französischen Hauptstadt Paris und 35 km südlich von der Regionalhauptstadt Lille. Zudem bildet Lens seit dem Jahr 2000 zusammen mit der ungefähr gleich großen Nachbarstadt Liévin eine Städteagglomeration (die sog. „Communaupole de Lens-Liévin“). Betrachtet man den gesamten hier angesiedelten industriellen Ballungsraum (einschließlich weiterer nahe gelegenen Zentren wie Douai), so lassen sich sogar bis über 550.000 Einwohner zählen und eine dichte Bevölkerungsdichte konstatieren.

Die historischen Wurzeln einer Ortschaft Lens reichen bis ins Frühmittelalter, bis in die Merowingerzeit zurück. Ansonsten zeigt sich das Schicksal der späteren Stadt Lens aufs Engste mit der bewegten, umkämpften Geschichte der historischen Provinz Artois im Norden Frankreichs verknüpft. Ob im Hundertjährigen Krieg, ob im Dreißigjährigen Krieg, ob im Ersten oder schließlich im Zweiten Weltkrieg – immer wieder erlebte Lens verheerende Plünderungen und katastrophale Zerstörungen. Hinzu kamen Epochen wie die Jahre zwischen 1384 und 1659, in denen Artois und damit Lens nicht einmal mehr zum Königreich Frankreich gehörte, sondern Teil der burgundischen und später spanischen Niederlande gewesen war. Dementsprechend erfuhr auch dessen äußeres Stadtbild im Laufe der Zeit wiederholte Male große Veränderungen und radikale Wandlungen.

Die letzte große und im Grunde bis heute wirksame Veränderung seines Antlitzes widerfuhr der Stadt im Zeitalter der Industrialisierung: 1841 wurden in der ganzen Region rund um Lens, Liévin oder Douai reichste Kohlevorkommen entdeckt, und in der Folge entwickelte sich das ganze Gebiet entlang der französisch-belgischen Grenze zum bis heute berühmten „Nordfranzösischen Kohlerevier“; das, was das „Ruhrgebiet“ für die industrielle Entwicklung in Deutschland bedeutete, bedeutete diese Region für Frankreich. Auch wenn der über ein Jahrhundert andauernde Wirtschaftsboom mittlerweile schon wieder passé ist, prägt der einst alles bestimmende Steinkohlebergbau eine Industrie- und Arbeiterstadt wie Lens bis heute. Nicht umsonst bilden einige seiner Einrichtungen einen wichtigen Teil des 2012 gar zum UNESCO-Welterbe deklarierten „Nordfranzösischen Kohlereviers“: Lens hat die Zeichen der Zeit erkannt und sein reiches, beeindruckendes industrielles Erbe (gemeint sind insbesondere seine imposanten ehemaligen Steinkohlenzechen) museal auf moderne Weise zugänglich gemacht.

Generell befindet sich diese nordfranzösische Stadt aktuell auf dem Weg einer kulturellen Neuorientierung. Im selben Jahr 2012 wurde Lens nämlich zum exklusiven Standort einer Zweigstelle des weltberühmten Pariser Louvre: Und zwar wurde auf einem seiner ehemaligen Industriegelände das über 14.000 Quadratmeter große, spektakuläre Kunstmuseum „Louvre-Lens“ eröffnet, in dem zunächst einmal über 200 Exponate aus allen Abteilungen des Pariser Louvre ausgestellt wurden. Schon seit 1992 zeichnet Lens ferner das Privileg aus, Teile der jungen Universität Artois beherbergen zu dürfen: Demnach haben die Fachbereiche Geologie, Geographie und die Naturwissenschaftler ihren Sitz in Lens.

Schon länger kultiviert Lens schließlich einen überregionalen wenn nicht sogar internationalen Ruf in Sachen gepflegter Rasensport: Gemeinsam mit einigen anderen Städten aus dem traditionellen französischen Bergbaurevier zählt Lens nämlich zu den ganz frühen Hochburgen des französischen Fußballs. Für eine solche Kleinstadt eher untypisch stellt Lens mit dem „Racing Club de Lens“ (RC LENS) seit 1906 nicht nur einen renommierten und mittlerweile zumeist in der höchsten französischen Spielklasse etablierten Fußballverein, sondern nennt mit dem „Stade Bollaert-Delelis“ (Ersteröffnung 1932, heute über 41.000 Plätze) auch noch ein überaus modernes und architektonisch reizvolles Fußballstadion sein Eigen. In jedem Fall gäbe es genügend Gründe, dieser nordfranzösischen Stadt Lens mit seinem ganz eigenen Flair (nicht zu vergessen der eigentümlich-malerische Dialekt der Einheimischen, der Gebrauch der Picardischen Sprache bzw. des „Patois“ oder „Ch’ti“!) einmal einen Besuch abzustatten.